
Heute nehme ich Euch mit auf die spannende Reise, wie so ein Jubiläum geplant werden kann.
Die erste Frage, die ich mir stellte war, was genau soll denn passieren? Wie will ich das feiern? Und vor allen Dingen, wie können meine Schülerinnen dazu beitragen, und haben auch noch was davon?
Normalerweise organisiere ich in meiner Musikschule genau ein Jahresabschlusskonzert – nämlich zu Weihnachten. Beim letzten Konzert hatte ich dann schon grob die Idee, dass es im Folgejahr kein Weihnachtskonzert geben wird, sondern im Sommer ein OpenAir Konzert in meinem Garten. Ich verliebte mich immer mehr in die Idee, meinen SchülerInnen die Möglichkeit zu geben, etwas Open Air Festival Luft zu schnuppern, und zwar nicht nur aus der Publikumsperspektive.
Somit reifte die Idee immer mehr und ich begann schon im Januar mit der Vorbereitung. Das Thema des Open Airs sollte sein: beliebte Songs aus unterschiedlichen Jahrzehnten. Dazu hatten die Schülerinnen die Aufgabe, in der Familie zu fragen, was denn in Ihren jungen Jahren so gehört wurde. Und so verbrachten wir den komplette Januar damit auf Recherche zu gehen, welcher Song passt am besten zu den SchülerInnen. Es sammelte sich ein Potpouri an wirklich tollen Songs, die einfach allen bekannt sind. Zugegeben, die dazu passenden Klavierversionen hatten es oft in sich, sodass einige SchülerInnen über sich hinauswuchsen. Es war unfassbar schön mit anzusehen, mit welchem Ehrgeiz gelernt wurde. Mit wieviel Phantasie nach passenden Liedern gesucht wurde und Ideen verwirklicht wurden. War der Song zu leicht, habe ich ihn etwas schwieriger arrangiert. Umgekehrt genauso, es gab auch Partituren, die viel zu schwer waren, diese habe ich dann dem Können des Schülers und der Schülerin angepasst, sodass sie sie zwar herausgefordert waren, aber es dennoch schaffen konnten.
Um welche Songs geht es hier eigentlich? Dancing Queen von ABBA, Let it be von den Beatles, Staying alive von den Bee Gees oder Billie Jean von Michael Jackson. Das sind nur ein paar Beispiele von vielen. Eine Liste aller Songs füge ich dem Artikel bei.

Wie genau bin ich bei der Recherche vorgegangen? Zunächst habe ich im Einzelunterricht besprochen, welcher Song gelernt werden soll. Dann haben wir uns gemeinsam bei Youtube auf die Suche nach einer Klavierversion gemacht. Bei dem Kanal von Rousseaou bin ich oft fündig geworden. Das sind meist Piano Tutorials in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, welche sich meine SchülerInnen sowieso ständig selbst anschauen, und sich darüber Inspirationen holen. In den meisten Fällen stand dann in den Beschreibungen ein Link, wo man die Noten (in der Regel kostenpflichtig) bekommen kann, was mir die Arbeit enorm erleichterte. Ich stelle mir lieber nicht vor, wieviel Zeit ich investieren müsste, um alle Songs (es waren übrigens 29) selbst arrangieren müsste. Insofern sage ich an dieser Stelle mal Danke an das WWW 😇
Die Noten gab es also bei sheetmusicdirect.com, bei musescore, bei Stretta, bei notendownload.de usw. Wenn ihr weitere Infos dazu braucht, meldet Euch gerne und schreibt mich an.
Nachdem nun die Notenauswahl feststand, galt es zu überlegen, wer mit wem zusammen ein Lied performen könnte. Und welches Lied sollte das Abschlusslied sein? Traditionell singen beim letzten Song immer alle SchülerInnen zusammen. Ein oder zwei SolistInnen singen die Strophe, der Rest als Chor im Refrain dazu. Ich habe mich für „Freiheit“ von Marius Müller Westernhagen entschieden. Ein wirklich zeitgemäßes Lied. Meine SchülerInnen kommen aus unterschiedlichen Nationen, ich fand es total passend die Message zu transportieren „Freiheit ist für alle da“. Ich habe dazu kleine Handflaggen aus verschiedenen Nationen besorgt, die wir alle zu dem Lied schwenken konnten. Das war ein wirklich zauberhafter Moment. Im Vorfeld habe ich mit allen SchülerInnen das Lied im Unterricht eingesungen (ich benutze die DAW Cubase, und studiere nebenbei Audio Engineering am Hofa College), sodass zum Ende des Schuljahres eine wirklich tolles Abschlussvideo ‚ Präsentation (Photos vom Konzert) mit gutem Audiomaterial jenseits irgendwelcher schlecht klingenden Handyaufnahmen entstand. Dieses lade ich als nicht gelistetes Video auf meinem Youtube Kanal hoch, sodass nur Menschen mit dem Link das Video sehen können. Ich vertraue da tatsächlich auf die achtsame Weitergabe des Links innerhalb der großen Musikschulfamilie. Das funktionierte bisher problemlos.
Wenn Ihr mehr über das Thema Audio Engineering, das Hofa College oder über das von mir benutzte Videoschnittprogramm wissen wollt, schreibt mich gerne an. Aber auch diesen Themen werde ich in Zukunft in weiteren Beiträgen ansprechen.
Nun noch einmal zurück zum Konzert – zu einem wirklich wichtigen Punkt: die Orga drum herum. Was brauche ich alles, damit das Open Air stattfinden kann? Habe ich einen Plan B, wenn das Wetter schlecht ist? Darf ich einfach so ein open Air Konzert im Garten veranstalten? Nehme ich Eintritt? Verkaufe ich Getränke und Essen? Mit Anmeldung, oder ohne? Dafür habe ich rechtzeitig, also schon Anfang April Freunde, Nachbarn und Familie gefragt, ob sie mir bei der Orga helfen. Und siehe da, das erste Orga Treffen war total konstruktiv, inklusive Aufgabenverteilung und Personaleinteilung am Konzert Abend. Das war wirklich fantastisch und gab mir ein sicheres Gefühl. Und obwohl ich vorab bei Google und ChatGPT gesucht habe, damit ich nichts vergesse, hatten meine HelferInnen noch soviele Ideen, an die ich nie alleine gedacht hätte. Sei es die GEMA Anmeldung, Preisgestaltung für Würstchen- und Getränkeverkauf, Pfandbecher, Wechselgeld, etc. Das macht man als Musiklehrerin ja normalerweise nicht so oft. Und wenn ich dann an meine Ansprüche denke, die in der Regel sehr hoch sind, ist das oft auch nicht hilfreich.
Fazit: Das Konzert fand unter Plan B Bedingungen statt, da unbeständiges Wetter vorhergesagt wurde. So typisch Hamburg. Ich konnte in ein Gemeindehaus in der Nähe unterkommen. Vielen Dank noch einmal an die liebe Katharina, derzeitige Kantorin der Evangelisch-Lutherischen Auferstehungsgemeinde Hamburg Lurup, für die Unterstützung.
Die Bühne war toll dekoriert, mein Equipement hatte genug Platz. Gegrillt wurde draußen vorm Haus in einer geschützten Ecke. Es kamen über 150 Besucher exklusive der SchülerInnen. Das war wirklich unfassbar schön. Während des Konzerts konnte das Publikum kleine Komplimente Kärtchen für die SchülerInnen ausfüllen. Diese bekommen die SchülerInnen nach den Sommerferien von mir ausgehändigt. Und ich sage Euch, so schöne Komplimente sind verteilt worden. Die Idee hatte ich aus einer KlavielehrerInnen Facebookgruppe.

Ein weiteres Highlight war ein kleiner Wettbewerb. Das Programm vom Konzert war nicht öffentlich einsehbar. Jede,r Schüler,in hatte eine Startnummer. Das Publikum musste am Ende jedes Acts auf einem Laufzettel notieren, welches Lied und von welchem Interpreten/Band zu hören war. Am Ende gab’s das grosse Finale mit einer Siegerehrung. Der erste Platz bekam einen Eventim Gutschein, der 2. Platz einen Thalia Gutschein und der 3. Platz bekam einen Kinogutschein. Das kam richtig gut an… und ich sorgte dafür, dass die meisten auch bis zum Schluss geblieben sind. Alles in Allem dauerte das Konzert fast 3 Stunden. Das war schon sehr lang aber wirklich ein schöner und vor allem gelungener Abend.
Als Moderation zwischen den einzelnen Songs habe ich mir folgendes ausgedacht: die Reihenfolge der Songs war sortiert nach Jahrzehnten. So konnte ich als Einleitung zu den 60 iger Jahren interessante musikalische fun facts erklären. Dann zu den 70igern, usw.. Dank Chat GPT konnte ich das im Vorfeld schnell recherchieren und hatte damit keinen großen Aufwand.
Alles in Allem würde ich das Konzert genauso wieder planen & durchführen, allerdings gleich außerhalb meines Gartens, denn die Einwände meines Mannes, das niemals 150 Gäste in unseren 800m2 Garten passen waren wohl mehr als berechtigt. Ich bin mir sicher, dass er einen Deal mit dem Wettergott hatte! 😆










